Schönheistipps

Das Streben nach idealer Schönheit

Es scheint mir in Bezug auf Frauen definitiv Parallelen zwischen unserer heutigen Ära und dem Zeitalter des elisabethanischen Englands zu geben, als die Damenwelt verzweifelt versuchte, entweder den natürlichen Alterungsprozess aufzuhalten oder eine Wundermethode zu finden, um diesen rückgängig zu machen. Während des 16. Jahrhunderts waren die Frauen der oberen Gesellschaftsschichten besessen davon, die ihrer Auffassung nach 'ideale' Schönheit zu erlangen und zu bewahren, bis hin zu einem Maß, das wir heute als 'Wahnsinn' bezeichnen würden. Wie sah dieses Ideal aus, das sie unbedingt erreichen wollten? Jugendliche, faltenlose Alabasterhaut, außerordentlich leuchtende Augen, rosige Wangen und Lippen und die hellste nur mögliche Haarfarbe. Ergänzt wurde das alles durch hohe, bogenförmig gewölbte, blasse Augenbrauen. Um diesen 'Look' der Perfektion zu erreichen machten sich die Damen die seinerzeit hoch geschätzten Hautpflegetechniken und die feinsten Kosmetikartikel zunutze, die damals erhältlich waren.

Zunächst einmal wurde der Haaransatz zwei bis drei Zentimeter zurück gezupft. Danach mussten auch die Augenbrauen gezupft und in Form gebracht werden. Haar und Augenbrauen wurden anschließend gebleicht, wozu man eine Reihe der damals aktuellsten Bleichmittel verwendete, einschließlich Urin und Schwefelsäure. Frauen, die es sich leisten konnten, kauften sich den hoch angepriesenen Hautweißer, eine Mischung aus Bleiweiß und Essig. Diese Lösung verwendete man auf Gesicht, Hals, Dekollete und oft auch auf den Händen und Armen. Ergänzt wurde diese Prozedur durch den 'Hautfestiger' der Wahl, rohes Eiweiß. Diese giftige Schmiere ließ man trocknen und fest werden, wodurch Falten geglättet wurden und das Gesicht ein weißes, straffes, maskenähnliches Aussehen erhielt. Um rosige Wangen zu imitieren und jugendliche Schönheit vorzutäuschen griff man auf Zinnober (eine Quecksilberverbindung) für Lippen und Wangen zurück. Dem Dekollete wurden zum Schluss für einen 'natürlichen' Look durchschimmernde Adern aufgeschminkt. In die Augen tropfte man ein paar Tropfen Belladonna um dieses begehrte 'Glänzen' zu erzielen und umrandete sie schlussendlich noch mit Kajal. Für den Teint schworen die Damen auf den angeblich besten Reiniger: Quecksilber, vermischt mit Alaun und Honig. Weit verbreitet war natürlich auch die 'Schäl-Kur' fürs Gesicht und auch dazu war Quecksilber das geschätzte Mittel der Wahl.

Das war vor über vierhundert Jahren die weitläufig akzeptierte 'Schönheitspflege' der Frauen – und doch, wie aktuell das doch alles erscheint! Wir mögen als Gesichtspeeling kein Quecksilber benutzen, doch Glykolsäure, Salizylsäure oder Milchsäure, Essigsäure oder Karbolsäure werden durchaus verwendet. Wir schmieren uns kein rohes Eiweiß zur vorübergehenden Hautstraffung ins Gesicht, aber die moderne Frau mag überrascht sein, wenn sie erfährt, dass ihre Hautstraffungsmittel Formaldehyd enthalten. Wir schnappen vor Entsetzen nach Luft wenn wir von diesen Frauen hören, die sich Gift ins Gesicht geschmiert haben; doch Botox-Spritzen erscheinen uns vollkommen banal und sicher. Wie sahen die Langzeitergebnisse dieser kosmetischen Wunderprodukte für die feine Dame im elisabethanischen Zeitalter aus? Die Haut alterte schneller, wurde grau und verschrumpelt und wirkte wie mumifiziert.

Wenn ich von jungen Frauen lese, die erst in ihren Zwanzigern sind und sich doch schon für chemische ‘Schönheitsbehandlungen’ entscheiden und sich ohne diese wie am Boden zerstört fühlen, bin ich entsetzt. Ich kann mich nur fragen, wie wohl die Langzeitfolgen solch drastischer Maßnahmen aussehen mögen. Erwachsene Frauen, die besessen auf der Suche nach irgendeinem trügerischen Wundermittel gegen das Altern sind, werden zu nichts weiter als bereitwilligen Testobjekten für jedes neue Kosmetikprodukt und jede neue Methode, die auf den Markt kommen. Oft haben sie keinerlei Ahnung von den Inhaltsstoffen in den Produkten, die sie sich ins Gesicht schmieren und bedenken auch nicht die zukünftigen Auswirkungen bestimmter Behandlungsmaßnahmen. Vielleicht sollten wir modernen Frauen die Lektionen der Vergangenheit beherzigen und mit Vorsicht und gesundem Menschenverstand vorgehen wenn wir uns für unsere ‘Schönheitspflege’ entscheiden.